Ein Aquarium voller Schlüssel
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Yuriy Gurzhy
Ein Aquarium voller Schlüssel
Charkiw und die Fotos meines Vaters
Alexander Gurzhy, Fotografie
16,5 x 22 cm, 104 Seiten, 60 Abbildungen,
Klappenbroschur, Fadenheftung
ISBN 978-3-911192-06-4
Beschreibung
Yuriy Gurzhy
Ein Aquarium voller Schlüssel
Charkiw und die Fotos meines Vaters
Alexander Gurzhy, Fotografie
Ein Aquarium voller Schlüssel ist eine vielschichtige Sammlung von Kurzgeschichten und Momentaufnahmen aus Charkiw, der Heimatstadt von Yuriy Gurzhy. Der Musiker, Komponist, DJ und Autor verwebt darin persönliche Erinnerungen mit der Gegenwart eines vom russischen Angriffskrieg gezeichneten Landes. Gurzhys Texte begleiten Fotografien seines Vaters, die ihn seit seiner Kindheit prägen. Einige dieser Aufnahmen – darunter Schwarz-Weiß-Filme aus den späten 1960er-Jahren – wurden erst 2024 wiederentdeckt. Sie zeigen vertraute Menschen und Orte, dokumentieren den Wandel Charkiws über die Zeit und erzählen leise Geschichten von Kontinuität und Verlust. In der Verbindung von Bild und Text entsteht ein eindringliches Porträt
der Stadt, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft – poetisch, politisch und zutiefst persönlich.
Yuriy Gurzhy geboren 1975 in Charkiw, Ukraine, lebt seit 1995 in Berlin. Als Musiker, Komponist, DJ und Autor hat Gurzhy zahlreiche Projekte initiiert und geprägt, darunter RotFront, Shtetl Superstars, The Disorientalists sowie Kaminer & Die Antikörpers. Darüber hinaus veröffentlichte er als Kurator über ein Dutzend international beachtete Compilations auf renommierten europäischen Labels. Im Jahr 2022 erschien sein literarisches Debüt Richard Wagner & die Klezmerband. Auf der Suche nach dem neuen jüdischen Sound in Deutschland. Zudem führte er von Februar 2022 bis April 2024 für den Tagesspiegel ein Kriegstagebuch, in dem er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aus persönlicher Perspektive dokumentierte. Yuriy Gurzhy komponiert regelmäßig für Theaterproduktionen, unter anderem am Maxim Gorki Theater in Berlin, am Nationaltheater Mannheim, an den Münchner Kammerspielen und am Teatr Lesi in Lwiw. Seine letzten drei Alben entstanden in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Autor und Musiker Serhij Zhadan.
Alexander Gurzhy (1937–2019) war promovierter Ingenieur, Musiker, Abenteurer und Vater von drei Kindern. Schon als Vierzehnjähriger entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie; über Jahrzehnte hinweg hielt er die Ansichten und den Vibe seiner Heimatstadt Charkiw fest, bis er 1995 gemeinsam mit seiner Familie nach Potsdam übersiedelte.
PRESSESTIMMEN
Stille Tage in Charkiw
Kindheitsszenen neben Berichten aus einer Stadt im Krieg: Yuriy Gurzhys literarische Liebeserklärung an Charkiw ist bebildert mit Fotos, die sein Vater vor langer Zeit dort aufgenommen hat.
[…] Der große Charkiwer Fotograf Boris Mikhailov sagte einmal, dass er nur in seiner Heimatstadt die eigene Bildsprache habe finden, dass er nur dort habe arbeiten können: Weil in Charkiw während der Breschnew-Ära und auch unter Gorbatschow nichts los war. Weil es dort keinen Kunstbetrieb, weil es dort sowieso fast nichts gab. Dabei war Charkiw, heute die zweitgrößte Stadt der Ukraine, ehedem sogar die Hauptstadt der ukrainischen Sowjetrepublik. Aber auch auf den Bildern von Alexander Gurzhy spürt man etwas Weltverlorenes. Breite Straßen, auf denen kaum Autos verkehren, leise Porträts von zeitunglesenden Männern und kleinen Kindern, die rote Fähnchen schwenken. Eine Frau, die im weißgepunkteten Kleid auf der Rückseite der Großen Synagoge unterwegs ist. […]
Yuriy Gurzhy hat einen kleinen, sehr charmanten Band mit Fotografien seines Vaters herausgegeben und dazu eine Reihe kurzer Texte geschrieben. Erinnerungen an das Charkiw seiner Kindheit stehen da neben Szenen von seinen Reisen in die Stadt im Krieg. So glaubte der kleine Gurzhy lange Zeit, der alte Mann mit Bart, dessen Porträt in der elterlichen Wohnung hing, wäre ein entfernter Verwandter – bis er das Bild auch in den Wohnungen seiner Freunde sah und erfuhr, dass es sich bei dem vermeintlichen Verwandten um den damals in der Ukraine verehrten Schriftsteller Ernest Hemingway handelte. Es gab in Charkiw sogar eine Bar namens „Der alte Hem“, die Yuriy Gurzhy mit einem anderen berühmten Charkiwer, mit Serhij Zhadan, zu besuchen pflegte. Mitte März 2022 wurde sie von einer russischen Rakete zerstört.
Die Texte in Ein Aquarium voller Schlüssel bestechen dabei durch ihre heitere Gelassenheit. Es sind keine Anklagetexte, sondern heimliche Liebeserklärungen. Auch wenn Gurzhy wegen seines deutschen Akzents beim Antiquitätenhändler sofort Nazi-Devotionalien angeboten bekommt oder eine Frau, die alte Postkarten verkauft, nur ihre Ruhe haben will – sollen die Russen doch den Krieg gewinnen, sagt sie –, Gurzhy hält es mit einer Freundin, die von Lemberg nach Charkiw gezogen ist: „Kyjiw ist tot! Lemberg ist vorbei! Das wahre Leben spielt sich in Charkiw ab, Mann!“ […]
Tobias Lehmkuhl, FAZ, 26. November 2025
Raketen fliegen über das Aquarium
Der Autor und Musiker Yuriy Gurzhy erinnert in seinem Buch Ein Aquarium voller Schlüssel an die Zeiten, als seine Heimatstadt Charkiw noch nicht beschossen wurde.
https://www.fuw.ch/yuriy-gurzhy-raketen-fliegen-ueber-das-aquarium-578531513405
André Kühnlenz, FuB, 31. Oktober 2025
Yuriy Gurzhy – Musik zwischen Charkiw und Berlin
https://www.deutschlandfunkkultur.de/musiker-dj-und-autor-yuriy-gurzhy-musik-zwischen-charkiw-und-berlin-100.html
Im Gespräch mit Katrin Heise, Deutschlandfunk Kultur, 14. Oktober 2025
[…] Es ist ein ganz besonderes Buch geworden. Ich habe es betrachtend und lesend verschlungen. Es hat den Titel Ein Aquarium voller Schlüssel. Charkiw und die Fotos meines Vaters. Ein Aquarium voller Schlüssel ist eine Sammlung von Kurzgeschichten aus Charkiw, der Heimatstadt von Yuriy Gurzhy. Vergangenheit und Gegenwart sind in Yuriy Geschichten auf eine faszinierende Weise miteinander verwoben. Schon das finde ich schön, dass die Vergangenheit eben nicht vergeht, wenn man sie nicht vergisst. Gerade im Jahr 2025 kann man das, wie ich finde, gar nicht genug betonen. Aber der Clou des Buches ist, dass Yuriy seine Texte mit alten Fotografien seines Vaters kombiniert. Sie sind in einer ganz künstlerischen Rhythmik miteinander verzahnt, diese Texte und die Bilder seines Vaters. Yuriy war also nicht der Erste in seiner Familie mit künstlerischen Neigung. Bei seinem Vater war es eben die Fotografie. […] Ein Aquarium voller Schlüssel ist ein poetisches Buch und ein persönliches Buch und es ist ein politisches Buch und es ist ein Porträt der Stadt Charkiw und eines Sohns dieser Stadt. […] Also, ich lege euch dieses Buch sehr ans Herz. Es hat mich sehr bewegt.
Jan Müller, Reflektormagazin, Septemberausgabe 2025
Eindrücke aus Charkiw.
Der Musiker Yuriy Gurzhy über seine Reisen in die Stadt und sein Buch Ein Aquarium voller Schlüssel.
https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/radio3_am_morgen/archiv/20250915_0600/radio3_aktuell_0710.html
rbb, radio3 am Morgen, 15. September 2025, Download
Vorabdruck aus dem Buch Ein Aquarium voller Schlüssel. Charkiv und die Fotos meines Vaters
https://www.tagesspiegel.de/kultur/dj-boruch-und-die-boombox-erinnerung-an-meinen-grossvater-in-charkiw-14294297.html
Der Tagesspiegel, 13. September 2025
Das ist ein Buch zum Rauschlesen! (Peggy Lohse, dekoder)
Hemingway-Porträts in der heimischen Wohnung ließen einen Charkiwer Jungen einst vermuten, der US-amerikanische Schriftsteller sei ein früheres Mitglied seiner sowjetischen Familie gewesen. Jahrzehnte später steht derselbe Junge, mittlerweile erwachsen und ausgewandert, auf dem weiten Freiheitsplatz der zweitgrößten Stadt der Ukraine, die aktuell ständiges Ziel russländischer Drohnen- und Raketenangriffe ist. Angekommen „wie ein Puzzlestück, das genau dort gelandet war, wo es hingehört“.
Yuriy Gurzhy ist Musiker, Komponist, DJ und Autor. Er wurde 1975 in Charkiw, Ukraine, geboren und lebt seit 1995 in Berlin, aber reist regelmäßig in seine Heimat. In seinem neuen Buch erzählt er, begleitet vom Fotoarchiv seines Vaters und Fotografen Alexander Gurzhy, Geschichten aus dem heutigen Charkiw an vorderster Verteidigungsfront gegen Russlands Krieg gegen die Ukraine. Geschichten, die ihn immer wieder durch Details im Stadtbild, auf Flohmarkttischen oder Gesprächsfetzen auf der Straße quer durch die Geschichte der Stadt, seiner Familie und Freunde führen.
Vorabdruck des Buches, dekoder, 7. September 2025



